Romantisierte «Regenbogenfamilien» vs. Realität

Weil Kinder nicht mitentscheiden können, in welche Familie sie hineingeboren werden, sind sie darauf angewiesen, dass Erwachsene ihr Wohl an die erste Stelle setzen und diesem auch in der Gesetzgebung höchste Priorität einräumen. Regelmässig wird in der Debatte um die «Ehe für alle» beteuert, Studien bewiesen, dass die Kinder gleichgeschlechtlicher Paare keinerlei Nachteile hätten. Festzuhalten ist dabei, dass das Phänomen gleichgeschlechtlicher Elternschaft in den Ländern Europas noch jung ist und daher eine gewisse Zurückhaltung beim «Zementieren» oder Übertragen von Studienergebnissen auf Schweizer Verhältnisse geübt werden sollte. Zudem wird bei der Behauptung, es gebe keine Unterschiede, in aller Regel unterschlagen, dass namhafte Wissenschaftler dieser Aussage entschieden widersprechen.

Kritische Studien zum Aufwachsen in gleichgeschlechtlichen Haushalten

Dass die Kinder gleichgeschlechtlicher Paare keine Nachteile haben, ist keineswegs unangefochten. Walter Schumm hat in seiner Publikation «Same Sex Parenting Research» akribisch dokumentiert[1], wie ideologisch verzerrt viele der als positive Belege für gleichgeschlechtliche Elternschaft präsentierten Studien sind. Schumm weist in diesen Studien unter anderem voreingenommene Stichprobenauswahl, das Fehlen geeigneter Kontrollen sowie das Versäumnis nach, Störvariablen zu berücksichtigen. Das hat auch damit zu tun, dass der politische Druck enorm ist, positive Resultate im Sinne der Regenbogen-Lobby zu produzieren.

Zudem weisen verschiedene neuere Studien teilweise entgegengesetzten Ergebnisse aus. P. Sullins, Verfasser der im März 2021 veröffentlichten Publikation «The case for mom and dad»[2], kommt nach einer Analyse der vier umfangreichsten, statistisch repräsentativen Datensätze aus den USA und Kanada zum Schluss, dass es Kindern mit gleichgeschlechtlichen Eltern deutlich schlechter geht als Kindern, die mit gegengeschlechtlichen Eltern aufwachsen. Verglichen mit gegengeschlechtlichen Eltern hatten Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern eine mehr als doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit für:

  • emotionale Probleme, einschliesslich Depressionen und Ängste;
  • Probleme in den Beziehungen mit Gleichaltrigen;
  • Konzentrationsschwierigkeiten.

Kinder aus gleichgeschlechtlichen Familien hatten im vergangenen Jahr doppelt so häufig einen Arzt oder Psychotherapeuten wegen psychischer Probleme aufgesucht und doppelt so häufig Medikamente für ein psychisches Problem eingenommen – dies im Vergleich zu Kindern aus gegengeschlechtlichen Familien.[3] Weitere Forschungsergebnisse zum Wohlergehen von Kindern in gleichgeschlechtlichen Haushalten finden sich in der Broschüre «Keine Unterschiede»[4].

Doch nicht nur im Kindes- sondern auch im Jugend- und Erwachsenenalter stellen verschiedene aktuelle Studien signifikante Unterschiede fest. Im Vergleich zu Kindern, die bei gegengeschlechtlichen Eltern leben, haben Kinder aus gleichgeschlechtlichen Haushalten in der Adoleszenz seltener eine romantische Beziehung und können sich seltener vorstellen, später einmal in einer Beziehung zu sein, die mit Ehe und Schwangerschaft zu tun hat. Als Erwachsene haben sie zudem ein doppelt so hohes Risiko für Depressionen und ein vierfach höheres Risiko, Suizidgedanken zu haben. Im Alter von 30 Jahren sind Frauen, die als Kinder in einer gleichgeschlechtlichen Familie gelebt haben, seltener verheiratet, haben seltener in irgendeiner Beziehung gelebt, die länger als drei Jahre anhielt und waren seltener schwanger.

Erwachsene Kinder aus gleichgeschlechtlichen Familien bezeichnen sich zudem häufiger selbst als homosexuell. Eine aktuelle, umfangreiche und repräsentative Langzeitstudie von Nanette Gartrell (2019) belegt: Fast 69 Prozent der erwachsenen Mädchen, die mit zwei lesbischen Müttern aufgewachsen sind, geben eine homosexuelle oder bisexuelle Anziehung an; 54 Prozent geben homosexuelles Verhalten an; 30 Prozent geben eine eigene lesbische oder bisexuelle Identität an. Bei den erwachsenen Jungen aus lesbischen Familien sind die entsprechenden Zahlen: 27 Prozent, 33 Prozent und 10 Prozent (schwule oder bisexuelle Identität).

Dass sich ein höherer Anteil an homosexuell oder bisexuell orientierten Erwachsenen langfristig stark auf den Zustand der Gesellschaft auswirkt, zeigen umfangreiche Daten zur psychischen Gesundheit homosexueller und bisexueller Personen: Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung haben homo- und bisexuelle Erwachsene zwei- bis dreimal so häufig psychische Gesundheitsprobleme. Dazu gehören Depressionen, bipolare Störungen, Suizidalität, Drogen- und Alkoholprobleme. Die These, dass diese Probleme vor allem auf ein ablehnendes gesellschaftliches Umfeld zurückzuführen seien, konnte bisher nicht belegt werden. Im Gegenteil: Eine neue, umfangreiche, repräsentative Studie[5] zeigt: Junge homosexuelle und bisexuelle Erwachsene, die in den USA aufwachsen – einem Land, in dem es die gleichgeschlechtliche Ehe und weitere Rechte für sexuelle Minderheiten gibt – weisen mehr psychische Probleme und höhere Suizidalität auf als ältere homosexuelle Personen, die in den USA aufwuchsen, als es die «Ehe für alle» noch nicht gab. Die Studie von Sullins zeigt ebenfalls, dass Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren in der Schule weniger oft schikaniert oder gehänselt werden als Kinder heterosexueller Paare – obschon oft das Gegenteil behauptet wird.

«Love is love» geht am Thema vorbei

Die Befürworter der «Ehe für alle» betonen in ihrer Kampagne gerne den Begriff der Liebe: «Love is love» (Liebe ist Liebe) lautet die Losung. Gleichgeschlechtliche Liebe sei im Vergleich zur heterosexuellen die gleiche. Dass jedem Menschen laut Bundesverfassung die gleichen Grundrechte zustehen und Liebe akzeptiert werden soll, steht in der Volksabstimmung vom 26. September 2021 jedoch nicht zur Debatte. Wir stimmen nicht über Liebe ab, sondern über die Frage, ob gleichgeschlechtlichen Paaren ein Anspruch auf Ehe und auf Kinder gewährt wird. Es geht nicht darum, gleichgeschlechtlichen Paaren die Liebe abzusprechen, sondern darum, dass einer Verbindung, die in Bezug auf Kinder eine grundlegend andere als die heterosexuelle Verbindung ist, der passende rechtliche Rahmen gegeben wird.

Wenn das Gesetz die Parameter der Ehe definiert (z.B. Festsetzung des Mindestheiratsalters), ist dies nicht prinzipiell diskriminierend, sondern zeigt die notwendige Eigenschaft, objektive Unterschiede zugunsten der unterschiedlichen Situationen zu differenzieren. Weil die gleichgeschlechtliche und heterosexuelle Partnerschaft sich im Bezug auf Kinder grundlegend unterscheiden (siehe Kapitel 3 «Traditioneller Ehe-Begriff ist keine Diskriminierung»), entspricht es dem juristischen Grundsatz der Rechtsgleichheit, wenn das Gesetz eine differenzierte Ordnung definiert, anstatt Ungleiches gleich zu behandeln. Die pauschale Gleichbehandlung von Ungleichem führt zur Täuschung in Bezug auf das Wesen der gleichgeschlechtlichen Partnerschaft und zur systemischen Ungerechtigkeit gegenüber Kindern.

Die Losung «love is love» entspricht nicht der Realität. Selbstverständlich ist zu unterstützen, dass sich gleichgeschlechtlich Empfindende lieben können. Es ist jedoch Fakt, dass ihre Liebe grundlegende Unterschiede zur heterosexuellen Liebe aufweist. Unsere Intuition bestätigt den Befund, dass es verschiedenste Arten von Liebe gibt: Liebe von Eltern zu ihren Kindern, freundschaftliche Liebe oder sexuelle und erotische Liebe. Es ist falsch, verschiedene Verständnisse von Liebe mit der «Ehe für alle» auf ideologische und undifferenzierte Weise zu vermischen. Die bereits bestehende eingetragene Partnerschaft trägt den Unterschieden viel besser Rechnung.

[1] Quelle: https://www.researchgate.net/publication/308043861_A_Review_and_Critique_of_Research_on_Same-Sex_Parenting_and_Adoption (aufgerufen am 10.08.2021)

[2] Quelle: Sullins, P., Sullins, P., The Case for Mom and Dad, The Linacre Quarterly, March 2021; https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0024363921989491 (03.08.2021)

[3] Quelle: Sullins, P., Emotional Problems among Children with Same-Sex Parents: Difference by Definition. British Journal of Education, Society & Behavioural Science 7, 2, 2015, S. 99-120; https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2500537 (aufgerufen am 03.08.2021)

[4] Quelle: https://bistum-augsburg.de/Verbaende/Familienbund/Studien (03.08.2021)

[5] Quelle: Meyer, Ilan, Minority stress, distress, and suicide attempts in three cohorts of sexual minority adults: A U.S. probability sample. PLOS ONE, 2021; https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0246827 (aufgerufen am 03.08.2021)

Weitere Argumente

Weitere Argumente